Poetischer Adventskalender

PoesieTürchen 21

Mandelbrot

 

 Ein Meister hat sich über Nacht
ein feines Mandelbrot erdacht,
mit ein paar Dingen wird gewährt,
dass bald ein Teig unendlich gärt,
er wird zur wahren Form getrieben,
durch Zahlen, die man aufgeschrieben

„Jetzt wird es Zeit“, kaum ausgesprochen,
da wird schon Mandelbrot gerochen,
kompakt geformt, recht gut gelungen,
und doch von Bläschen tief durchdrungen,
von Knötchen, Ästchen und Spiralen,
mit Teig und leeren Arealen

Da gibt es Strände zum genießen,
mit Wellen, die ins Leere schießen,
Blüten, Baum und Zauberstern,
Galaxien, nah und fern,
man stößt auf fast verwaiste Zonen,
und ahnt die heiligen Regionen

An einem Galaxienzacken
ist gar ein Weltchen hingebacken,
in Ordnung, Chaos eingewebt,
ob wirklich jemand darauf lebt(?):
aus Hunger leidet Keiner Not,
denn überall gibt’s Mandelbrot

Die kleine Welt hat über Nacht,
ein wahrer Gott sich ausgedacht,
mit einer Prise Raum und Zeit,
und einem Schuss Unendlichkeit,
vermutlich schlimm, wenn’s nicht so wär‘:
Die Weltenformel kennt nur er

Halt, eines noch zu guter Letzt,
das Mandelbrot ist voll vernetzt,
und mag’s auch nur ein Fädchen sein,
kein kleinstes Etwas ist allein,
empfängt und gibt und formt die Welt,
wenn GottesAhnung es befällt

 

Bild & Text: Werner Forster